Katerfrühstück statt Radikalisierung

Zu den dümmsten Thesen unserer Zeit gehört gewiss die in der Berliner Blase wohlfeile Unverschämtheit, wir Bürger würden uns zusehends radikalisieren. Soviel Dummfug braucht einmal mehr (meinen) Widerspruch!

Zwar hat sich ChatGPT – mit Verweis auf potenziell rechtswidrige Inhalte – geweigert, Alice Weidel die blaue Herde hüten zu lassen. Friedrich Merz Nase und Lars Klingbeils T-Shirt gingen hingegen als unproblematisch durch. Was „Blaue“ sich vor allem anderen wünschen, hat die künstliche Intelligenz hingegen ganz ohne meine Hilfe auf das Schild rechts unten geschrieben.

Wir würden – von irgendwelchen rechten „Hetzern“ aufgewiegelt – irrational blau zu denken und zu wählen beginnen – statt unseren uns Hirtenden Friedrich, Lars und Bärbel, zuversichtlich blökend, wie es sich für Schlafschafe gehört, über die Klippe zu folgen.

In „UNSERER DEMOKRATIE“ sei das alternativlos so vorgesehen, sendet der Staatsfunk rund um die Uhr.

Dahinter steckt die – gewagte – Idee der uns Regierenden und ihrer staatsnahen Meinungsverstärker, wir einfachen Gemüter hier unten im Tal der Demütigen seien schlicht zu dumm, oder hilfsweise „graubraun“ gesonnen und folglich nicht willens, die komplexen, selbstverständlich segensreichen politischen Leistungen unserer Eliten zu erkennen – und mit entsprechend positiven Umfragen und vor allem Wahlergebnissen zu würdigen.

Demokratietheoretisch ist bereits dieser absolute Anspruch auf Deutungshoheit – mit Hinweis auf das leider „blöde“ Volk – tendenziell totalitär – und verbietet sich in EINER DEMOKRATIE „eigentlich“ kraft Definition.

Den ersten DEMOKRATEN wäre das bereits vor 2.500 Jahren eine abgrundtief demokratiefeindliche Vorstellung gewesen. Denn die griechische Demokratie misstraute nicht dem Volk, schon gar nicht seiner Willensbildung – sondern den Politikern! Denen man schon damals und mit gesunder Menschenkenntnis, typische menschliche Motive wie  Eigennutz, Korruption und Ideologie unterstellte.

Viele, auch wichtige und bedeutende Ämter, wurden daher, unbesehen der objektiven Qualifikation und für jeweils kurze Zeit VERLOST. Auch die ersten demokratisch-kapitalistischen Systeme, Venedig und Florenz, suchten auf diese Weise Fairness. Nur unter Bewerbern für jene öffentliche Ämter, für die es ganz besonders hoher Qualifikation bedurfte, wurde überhaupt gewählt.

In „unserer Demokratie“ des Jahres 2026 scheinen wir den etablierten Parteien hingegen unsere Zustimmung in einer Weise zu schulden, wie die Schafe dem Schäfer die Wolle.

Und wer das anders sieht, denkt, irgendwann sagt oder gar wo auch immer schreibt gilt fortan als RADIKAL kritisch (schlecht!), allemal RECHTS motiviert (böse!) mithin als potenziell RECHTSRADIKAL (sehr, sehr böse!) und damit in die intellektuelle Vorhölle hinein radikalisiert.

Zum Spaß meiner Leser glauben wir den Ideologen einfach kein Wort. Und begleiten die kommenden Landtagswahlen gewohnt kritisch.

Fortan verstehe ich diesen Blog als eine Art „Katerfrühstück“.

Martin Schuler /  Freier Publizist / 23.06.2026